Liebe ist stärker

Endless beach love
Als ich im Juli 2018 die Diagnose metastasierten Brustkrebs bekam lernte ich gerade meinen jetzigen Freund kennen. Niemals hätte ich damals gedacht, dass mir das nochmal passieren würde. Dass ich einen Menschen nah an mich heranlasse oder dass ich wieder glücklich werden könnte, dass ich wieder vertrauen könnte. Denn das war nicht immer so.

Genau darüber sprachen wir vor ein paar Wochen in unserer Community, über Probleme während einer Krebserkrankung mit dem Umfeld, mit dem Partner, mit den Freunden, mit der Familie. Viele von euch schrieben mir über die Probleme mit ihrem Partner und das Alleinsein. Eine Krebsdiagnose verlangt viel ab, stellt das Leben auf den Kopf und hinterfragt auf einmal alles. Partnerschaften sowie Freundschaften ändern sich.
Meine Ärztin sagte damals: „Das was stark ist bleibt stark oder wird stärker, und das was noch nie so richtig füreinander da war wird zerbrechen.“ Ich wollte dies nicht begreifen bis ich selbst in diese Situation geriet.


Viele von euch schrieben mir, dass sie beleidigt werden oder nicht mehr geschätzt, dass ihr nicht über eure Erkrankung sprechen dürft vor eurem Partner und dies immer abgetan wird. Ich kenne es nicht anders von damals, denn es gibt Situationen, wo das Umfeld kein Verständnis für eine Erkrankung hat. Sobald die Akuttherapie vorbei ist, ist der Patient ja „wieder gesund“. Als vollständiger Mensch werden wir nicht mehr wahrgenommen, wir sind nicht mehr so belastbar wie zuvor, wir funktionieren nicht mehr wie vorher. Manchmal fühlte es sich für mich damals an als würde ich nicht mehr wie eine Frau wahrgenommen werden. Auch das schrieben mir viele von euch. Und einige werden ganz einfach gegen einen gesunden funktionierenden Menschen ausgetauscht.

Die Psyche die leidet, die Seele blutet und irgendwie möchte jeder von uns einfach in den Arm genommen und beschützt werden. Ein liebes Wort, ein guter Zuspruch. Viele können das nicht. Es artet dann eher in Wut, Trauer und Hilflosigkeit aus für die wir Patienten oft mehr Verständnis aufbringen als unser Umfeld für uns. Denn wir können auf einmal nicht mehr das geben was wir vorher geben konnten. Wir können nicht mehr dieses perfekte Bild vermitteln, sondern sind eher klein, schwach und zerbrechlich.

Doch irgendwie weiß auch keiner so richtig wie wir in solch einer Situation reagieren sollten. Darüber sprechen tut weh, es nicht zu tun auch. Denn wie soll ich jemanden verstehen mit dem ich nicht rede? Und kommt das Wort Verständnis nicht von verstehen und erst, wenn ich etwas verstehe kann ich erst Verständnis dafür aufbringen?
Ich ließ diese Zeit, dieses Trauma hinter mir. Und doch gibt es manchmal Nächte und Situationen in denen diese Verletzungen zum Vorschein kommen und ich Albträume davon habe. Von den Erniedrigungen, von der Ungerechtigkeit, von dem Unverständnis.


Heute ist das anders. Heute bin ich überglücklich den einen Menschen für mich gefunden zu haben, der mir alles bedeutet, dem ich vertrauen kann, der für mich da ist, der mit mir redet, der mit mir lacht. Der mich so akzeptiert wie ich bin und meine Schwäche eher als Stärke ansieht.
Vertraue und glaub an dich, denn Liebe ist stärker.

Eure SU

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