Wie geht es dir?

Diese Frage höre ich selten, denn die meisten denken bei meiner Diagnose „die ist eh schon am A…., da wünsche ich lieber alles Gute, oder das wird schon oder auch mein Beileid“ habe ich schon gehört.

Darüber zu sprechen welche Erkrankung ich habe, gerade auch jetzt, fällt mir nicht immer leicht. Denn ich will nicht für diese Krankheit stehen und Mitleid haben, sondern einfach sagen „hey ja ich habe Krebs, aber es geht mir gut dabei. Ich habe keine Schmerzen, es geht mir außer ein paar Nebenwirkungen gut. Ich möchte nicht abgeschrieben werden á la metastasiert gleich tot am nächsten morgen.“ Und ich möchte aufmerksam machen auf die Krankheit Krebs, denn viel zu viele leiden an dieser Erkrankung und es ist an der Zeit, dass uns allen geholfen wird.

Die Krebstherapien sind heutzutage soweit, dass es gleich mehrere Möglichkeiten für meinen Bereich gibt. ( ob alle wirken würden weiss ich nicht, aber es gibt Hoffnung und Behandlungen) Derzeit laufen mehrere Studien und es kommen demnächst gleich 2 neue Antihormontherapien für metastasierten Brustkrebs auf den Markt.

Das ist so ähnlich wie bei Antibiotika im Vergleich. Irgendwann funktioniert das Medikament nicht mehr und ein neues muss her. Bis dahin muss ich einfach nur eine Weile aushalten und versuchen ein normales Leben zu führen was ich oft vermisse. Normal zur Arbeit zu gehen, Freunde treffen und normale Gespräche zu führen. Oft gelingt das meinem Gegenüber aber eher nicht, denn noch zu sehr sind die Bilder der abgemagerten krebskranken mit unterlaufenen Augen in den Köpfen der Gesellschaft. So stellen sich viele krebskranke Menschen vor.

Ich würde mich über ein „Wie geht’s dir?“ sehr freuen oder auch „Wie geht’s weiter?“ „ Kann ich dich irgendwie unterstützen?“ „Lust auf ein Treffen oder Telefonat?“
AUFKLÄRUNGSARBEIT ist manchmal nicht einfach, aber es lohnt sich für die Integration in die Gesellschaft. Es gibt natürlich auch Fälle wo es nicht gut ausgeht, es gibt aber auch Fälle wo es gut ausgeht. Und dafür lohnt es sich immer wieder aufzustehen und weiterzumachem, zu zeigen, dass es heutzutage weitere Therapien gibt, die helfen.

Klar ist die Frage „Wie geht’s dir?“ manchmal nicht einfach zu beantworten, denn da müsste ich schon weiter ausholen. Dennoch kann es Mitgefühl erzeugen, Mitleid ist hier fehl am Platz. Es kann eine Art Verständnis entstehen, denn mein Gegenüber zeigt Interesse and versucht mich zu verstehen, versucht auf mich einzugehen. Aber jeden Tag über meine Krankheit sprechen will ich auch nicht. Fremden Menschen antworte ich oft „Ja mir geht’s gut“ und das normale Leben geht weiter. Über Krebs zu sprechen ist wichtig, denn wenn wir nicht über ein Problem sprechen so wird es auch keine Lösung dafür geben. Doch an manchen Tagen bin ich müde davon zu sprechen. Es fühlt sich anstregend an.

Wenn ich auf dem Wasser bin ist das anders, da bin ich allein unterwegs und keiner schaut mich mit mitleidigen Blicken an. Und genau deshalb habe ich mich nun angemeldet für die Deutschen Meisterschaften SUP Long Distance, 12 km übers offene Meer paddeln. Ein bisschen habe ich geübt. Meine Muskeln haben jedoch unter der neuen Therapie ziemlich abgebaut, das musste ich nun einbüßen. Die neue Theraoie zwingt mich förmlich in die Knie. Mit Glieder- und Gelenkschmerzen lag ich die ersten Tage im Bett, es fühlte sich wie ein kalter Entzug an. Jetzt 2 Wochen später verändert sich mein Körper wieder. Manchmal glaube ich zu fühlen wie die Metastasen an Lunge und Leber keinen Bock auf die Medikamente haben und sich allmählich verkriechen.



Es gibt ein Leben mit Krebs und das muss nicht immer schlecht sein, aber es könnte auch besser sein.

SU 🌺

5 Antworten auf “Wie geht es dir?”

  1. Ich habe, für mich, festgestellt, das die Frage: “ Wie geht es dir?“ zwar gestellt wird, dass aber nicht erwartet wird, dass man ausführlich antwortet. Das Gegenüber ist meist, mit der wahrheitsgemäß beantworteten Frage total überfordert.
    Mein, einstmal, bester Freund, hatte mich, nach meiner Diagnose gefragt.
    Ich antwortete, dass ich MF habe. Mycosis fungoides. Ein T-Zell Non Hodgin Lymphon auf die Haut beschränkt. Stadium 1b.
    Er fragte, wie es mir damit gehe?
    Ich antwortete, scheiße, denn es ist Krebs. Welche Therapie bekommst du? Nur UVB 311 nm Bestrahlung und Coritsoncreme. Mehr kann man in diesem Stadium nicht machen.
    Tja dann, sei froh, anderen geht es viel schlechter.
    Ja, das ist mir bewußt, aber Krebs „ist“ Krebs und es macht was mit der Seele.
    Ach, stell dich nicht so an.
    Nun, das war dass einzige, was wir darüber gesprochen haben. Seit 2 Jahren haben wir keinen Kontakt mehr. Er hat mich fallen gelassen, abgelegt. 23 Jahre Freundschaft in den Wind geschossen.
    Egal wer mich heute fragt, wie es mir geht…es geht mir gut, mehr brauchen andere nicht wissen.

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  2. Danke für diesen Beitrag. Es ist, so glaube ich oft die Unsicherheit. Keiner von uns weiss wievielt Zeit ihm wirklich bleibt, aber in dieser auf äußere Werte ausgerichteten Gesellschaft wird das verdrängt. Aus Angst. Gut das es dir trotzdem irgendwie gut geht. Und ich wünsche dir das die Nebenwirkungen der neuen Therapie bald nicht mehr so schlimm sind

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