Nella Rausch, eine Journalistin, bloggt über das Leben nach der Krebsdiagnose

Gastartikel von Nella Rausch

“Schreib doch mal darüber, wie das so ist, Krebsbloggerin zu sein. Wie es sich anfühlt, die Journalistenperspektive zu verlassen und ganz privat, fast intim zu werden.”, forderte mich SU vor kurzem auf und regte mich zu diesem Beitrag hier an, in dem ich genau darüber berichten möchte, denn ehrlicherweise hatte ich darüber noch nie nachgedacht.

Tja, wie es für mich ist, als berufliche Vielschreiberin (als ehemalige Journalistin, Werbetexterin und PR-Expertin) über meine Erkrankung Non-Hodgkin-Lymphom zu schreiben? Gute Frage. Ich nehme dich mal mit in meine Gedanken und Hintergründe.



Die erste Idee: Wissen vermitteln.



Als ich anfing zu bloggen, hatte ich erst die Idee, Wissen zu vermitteln. Das war dem journalistischen Arbeiten sehr verwandt. Darzulegen, wie die Abläufe auf der Station sind, was wichtig ist. So ganz praktisch. Denn wie die meisten, die eine Krebsdiagnose aus dem Nichts bekommen, war auch ich zunächst überfordert, der Takt der schlechten Nachricht hoch und die formellen und medizinischen Aspekte, um die ich mich kümmern sollte, überwältigend.

Nach kurzer Zeit – ging ja gar nicht anders – hatte ich mir mit der Hilfe meines Mannes einiges an Know-how angeeignet, das ich sehr gerne an meine Mitpatient:innen auf der Station weitergab. Eine Schwester meinte mal: “Sie können bald ein eigenes Büro mit Sprechzeiten hier einrichten.” Dringend notwendig wäre das sicher gewesen, ohne Frage.

Und dann kam Leben rein. Mein Leben. 

Daraus entwickelte sich allerdings schnell ein weiterer Ansatz: Ich wollte zeigen, dass ein Leben nach der Diagnose Krebs lebenswert ist, wir alle Träume, Wünsche und Pläne haben, die wir gedenken umzusetzen, auch wenn es jetzt im Moment vielleicht etwas schwierig ist. Und damit begann das Persönliche.



Klick und raus – Zack, bin ich online


Das Veröffentlichen dieser Texte hat mich am Anfang viel Mut gekostet. Wenn der Beitrag fertig war und ich auf Senden klickte, dachte ich: “Jetzt ist er raus, der Blogbeitrag, oh je. Was wohl die Leserinnen und Leser sagen werden?” Doch da kam erst mal nichts, gar nichts. Wer kannte mich schon? Wer wusste überhaupt von meinem „Zellenkarussell“? Nicht viele. Die meisten waren Verwandte und Freunde. Schon komisch, dass ich damals so dachte, dabei war ich das Veröffentlichen von der Tageszeitung doch gewohnt. Wenn meine Artikel erschienen, wurden diese von zahlreichen Leserinnen und Lesern in NRW gelesen. Da hätte ich viel nervöser sein müssen.



Mittendrin im Tabuthema Krebs


Was jetzt anders war, war meine ungewollte Verbundenheit mit einem Thema, das in Deutschland immer noch mit einem Tabu belegt ist. “Über Krebs spricht man nicht.” 

Wie fing das mit dem „Zellenkarussell“ überhaupt an?

Genau das also, dass das Schweigen über die Erkrankung angemessen sei, dachte übrigens eine Boutiqueverkäuferin, der ich im Frühling 2017 begegnete. Als die Dame in einem T-Shirt-Verkaufsgespräch erkannte, dass mein Pflaster am Schlüsselbein wohl auf einen Port-OP zurückzuführen ist, befand ich mich im Handumdrehen in einem Dialog, der alles Weitere ins Rollen bringen sollte.

Nach wenigen Sekunden des Erkennens und Zuordnens konfrontierte sie mich mit ihrer Geschichte: “Sie haben Krebs, ne? Das sehe ich sofort! Meine Schwester hat das auch und jammert uns nur die Ohren voll.”, polterte sie mir ungefragt entgegen. Nach einer kurzen Pause, in der ich ihr versuchte mitzuteilen, dass eben jeder Mensch die Krebsdiagnose anders verarbeitet, legte sie nach: “Die Hannelore Elsner hat das schon richtig gemacht. Niemanden hat sie belästigt mit ihrem Krebs, tolle Frau.”

Wie schnell ich den Laden verlassen habe, erinnere ich nicht mehr. Es ging jedenfalls sehr fix. Im Rausgehen rief ich ihr noch zu: “Ich möchte sie nicht weiter mit meinem Einkauf belästigen. Tschüss und ein schönes Leben noch.”

Aus Wut kann etwas wachsen, zum Beispiel ein Blog



Ich war wütend, extrem wütend über so viel Unverschämtheit und Respektlosigkeit, und zwar so sehr, dass ich noch am selben Tag mit dem Schreiben für meinen Blog „Zellenkarussell“ begann. Diese unverblümte Denkweise war die Initialzündung für das, was ich inzwischen seit August 2019 tue: Über das Leben nach der Krebsdiagnose bloggen, schreiben und podcasten. Hannelore Elsner hatte ganz sicher ihre nachvollziehbaren privaten und vor allem beruflichen Gründe für ihr Schweigen. Ich aber konnte und wollte einen anderen Weg gehen.


Die Angst davor, mir und meinen Gedanken im Schreiben zu begegnen



Aber warum hat das so lange gedauert?

Das Schreiben darüber und dann das Veröffentlichen begann erst fast vier Jahre nach meiner Diagnose (6. Dezember 2015 – Non-Hodgkin-Lymphom, 4. Stadium) und 15 Monate nach meiner Stammzelltransplantation. Das hat lange gedauert und erforderte anscheinend auch eine Art Weckruf aus einer Boutique. Vorher hatte ich trotz oder vielleicht auch wegen meiner beruflich bedingten Vielschreiberei überhaupt nicht im Entferntesten darüber nachgedacht, auch nur Tagebuch zu führen oder Geschichten aus dem Stationsalltag aufzuschreiben.

Der eigentliche Grund dafür ist aber, dass ich Angst davor hatte mir, meinen Gedanken und meiner Erkrankung im Schreiben zu begegnen. Da war ich einfach feige. Das war mir viel zu nah. Das, was ich erlebte, konnte ich so besser verdrängen, denn darin war und bin ich Meisterin.

Stell dir doch nur mal vor, ich hätte das Wort Therapieversagen in meinem Tagebuch notiert oder die Absage für die Aufnahme in die für mich damals überlebenswichtige Studie oder das erneute Fehlschlagen einer weiteren Chemotherapie Ende 2016. Ich hätte das damals nicht verkraftet. Inzwischen weiß ich, dass das Schreiben heilende Wirkung hat. Vielleicht, wenn mir jemand davon erzählt hätte. 

Krebs ist kein Beinbruch mit einer lustigen Geschichte dahinter

Hätte ich einen Beinbruch gehabt oder so etwas ähnliches, hätte ich die Auszeit im Krankenbett vermutlich genossen und vielleicht auch lustige Situationen betextet, beschrieben, wie dusselig ich war, dass mir das passieren konnte, aber nicht bei dieser Diagnose. Das war ja nun mal kein Unfall.

Für mich und meine Familie waren die ersten 17 Monate Dauerstress auf höchstem Level. Nach kurzer Pause kam regelmäßig, fast schon zuverlässig, die nächste Hiobsbotschaft und die Aussage, dass Heilung nicht in Sicht sei. Ein off-Label use mit einer Immuntherapie brachte die unerwartete Wende. Bis dahin war ich palliativ. Jetzt hieß es: “Wir können wieder über Heilung sprechen, Frau Rausch.” Die nachfolgende Stammzelltransplantation erreichte genau das.
Seit dem 23. Juni 2017 bin ich krebsfrei. Oder wie es in der Fachsprache heißt: „Ein Krebsbefund ist mit derzeitigen Methoden nicht nachweisbar.“

Keine Antenne fürs Schreiben

Vermutlich musste ich diese ganze Katharsis erst einmal hinter mir lassen. Meine Kräfte waren voll darauf konzentriert, mich nicht aufzugeben, an Heilung zu glauben. Fürs Schreiben hatte ich da keine Antenne.


Mein Mann gestand mir, nachdem das Schlimmste überstanden war: “Ich habe alle Studien und Berichte gelesen. Alles, was ich über deine Diagnose finden konnte. Am Ende der Fachartikel stand oft so etwas ähnliches wie: Im ungünstigsten Fall ist es Dies oder Das. Und das war es dann immer, immer der schlechteste Fall.”

Freischreiben heilt. Erlebnisse teilen auch.

Nach meinem Aufeinandertreffen mit der Dame in der Boutique und dem “Freischreiben” danach, merkte ich allerdings sehr schnell, dass es sich gut anfühlt, all das rauszulassen. Die Begegnungen mit verschiedenen Menschen, die ich in meinem alten Leben bestimmt nie getroffen hätte, haben mich so bereichert. Darüber zu erzählen, von diesen wunderbaren Frauen, den Mitpatientinnen zu berichten, die mich, jede auf ihre Art so viel gelehrt haben, machte mich glücklich. Meine Texte hierzu gingen fast ins Romanhafte und flossen mir leicht aus den Fingern. Jetzt weiß ich, dass ich auch das kann.

Als Journalistin kam ich nach der Redaktionsbesprechung von meinen Außenterminen in die Redaktion zurück und schrieb tagesaktuell nieder, was ich dort erlebt und auch für die Leserinnen und Leser der Tageszeitung Wissenswertes mitgebracht hatte. Diese Art zu schreiben, ist etwas völlig anderes. Auch als Werbetexterin, die ich ebenfalls lange Jahre war, hatte ich einen Auftrag zu erfüllen. Ich schrieb immer für andere, für Kunden, die bestimmte Vorstellungen davon hatten, was im Ergebnis herauskommen sollte, um das Produkt leuchten zu lassen, im besten Licht natürlich. Und das Pressetexte dann auch noch mal ganz anders funktionieren, ist auch klar. Kurz gesagt: Mein professionelles Texten hatte nichts mit dem Schreiben als Bloggerin und Autorin zu tun.

Seit dem „Zellenkarussell“ geht es um eigene Erlebnisse einer Patientin mit Non-Hodgkin-Lymphom, die ihre Zeit nach der Krebsdiagnose beschreibt. So viel Persönliches hatte ich noch nie über mich verfasst. Das ist eine völlig andere Disziplin, aber eine sehr befriedigende, wohltuende und heilende. Geplant hatte ich diesen Effekt nicht. Meine Intention war und ist eine andere. Mir geht es darum, Mut zu machen, zu informieren und damit Patient:innen zu empowern und Stigmata aufzulösen.

Zwei wohltuende Effekte des Schreibens über sich.



Es gibt übrigens zwei Aspekte, die sich beim Schreiben zeigen:

Einerseits kommen die positiven Seiten noch mal besser zum Vorschein. Wie zum Beispiel, die Frauen, die ich in all den Jahren (jetzt sind es schon fast neun Jahre(!)) getroffen habe. Die werde ich nie vergessen. Sie haben einen festen Platz in meinem Herzen und in meinem Blog. Auch die Situationen, in denen ich auf Ärztinnen und Ärzte traf, die mir die Tage auf der Station und während der Therapie so viel Empathie entgegenbrachten, konnte ich mit dem Schreiben noch mehr würdigen. Und andererseits halfen mir die Rückblicke, unangenehme Situationen und Begegnungen besser zu verpacken, sogar abzuhaken. Von der Seele geschrieben und ab dafür. 


Dazu gehört insbesondere der ausführliche Beitrag über meine Diagnosestellung (“Über mich”) und die Zeit danach. Der hat mir die Freiheit gegeben, einfach darauf verweisen können, wenn ich gefragt werde, wie das denn alles angefangen hat, mein Krebs entdeckt wurde. So muss ich nicht immer und immer wieder erzählend in diese schmerzhafte Zeit zurück gehen. Wer es genau wissen will, liest einfach, was ich darüber geschrieben habe und kann mich gerne dazu befragen. So herum fällt es mir leichter.

Schnell ging es dann nicht mehr nur um das Vermitteln von Praktischem oder das Erzählen von anekdotischen Geschichten, sondern darum, Ärztinnen und Ärzten zu zeigen, wie wir als Patientinnen und Patienten so ticken. Den oft beschworenen Perspektivwechsel zu pushen.

Was das Medizinportal DocCheck mit Nella zu tun hat.


Das hat sechs Wochen nach dem ich mit meinem „Zellenkarussell“ online gegangen bin auch das Medizinportal DocCheck mitbekommen und mich gleich als Autorin für den Kanal “Zweitmeinung. Patienten reden über Ärzte” angefragt, für den ich anfänglich als einzige Bloggerin Texte veröffentlichte. Das mache ich übrigens immer noch. Das Besondere hier ist, dass ich Kommentare ausschließlich aus der medizinisch-pflegenden Branche erhalte, die natürlich eine ganz andere Sichtweise als wir Patientinnen und Patienten haben.

Am schönsten sind für mich dann die Momente, in denen mir Ärztinnen oder Ärzte, pflegende Menschen schreiben, dass sie es gut fanden, wie ich die Themen um die Krebserkrankung angehe, die gesundheitspolitische Situation bewerte, sie mir sagen, dass sie von bestimmten Gefühlen, Gegebenheiten gar nichts wussten oder sie mir erzählen, dass sie selbst erkrankt oder Angehörige sind und ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Auch ich bekomme damit Einblicke in deren Arbeit, die ich vorher nicht so gesehen, falsch interpretiert oder gar nicht verstanden habe. Eine klassische Win-Win-Situation.



Die Schreibstimme verändert sich



Meine Art zu schreiben hat sich natürlich über die Jahre entwickelt, auch das stelle ich fest. Inzwischen habe ich den journalistischen Abstand wiedergefunden, der es mir ermöglicht, empathisch-humorvoll, aber mit einer Prise gut recherchierter Sachlichkeit über Situationen wie zum Beispiel das Warten im Wartezimmer zu schreiben. Diese Mischung macht mir besonders viel Spaß und hat sich auch ein wenig zu meinem Markenzeichen entwickelt. Das ist meine Schreibstimme, die einen hohen Widererkennungswert hat. Und: Recherchieren liegt mir einfach im Blut.



Wie habe ich SU eigentlich gefunden?



Ach, was ich noch völlig vergessen habe zu erwähnen und was mir sehr wichtig ist, ist die Sache, wie ich SU eigentlich kennen gelernt habe. Denn das ist untrennbar mit meinem „Zellenkarussell“ verbunden.
Das heißt anfänglich habe ich sie nur virtuell gefunden, genauer ihren Blog. Denn nach der Boutique-Aktion und meinem Entschluss einen Blog zu gründen, habe ich natürlich geschaut, was es alles für Blogs gibt, wie es die anderen so machen. Das war 2017. Zu der Zeit fand ich nur SUs Blog besonders und richtig gut. Daran hat sich übrigens nichts geändert. So ähnlich wollte ich das auch machen. Nicht jammern, sondern motivieren und informieren.

DocCheck hat zwei verrückte Hühner verkuppelt



Und dann kam wieder mal DocCheck ins Spiel, denn die fragten mich, ob ich noch andere Blogger kenne, die ich für den Kanal Zweitmeinung empfehlen könnte. Klar, habe ich gesagt und nannte SU.

Seit der Zeit schreiben wir uns unregelmäßig regelmäßig oder zoomen ab und zu und haben viel Spaß dabei. Ich liebe ihren Humor und ich denke, sie auch meinen. Jedenfalls wäre es unerträglich für andere mit uns auf Klassenreise zu gehen. Wir würden uns nur schlapp lachen und den Laden aufmischen. So war das übrigens auch bei unserem ersten Treffen im echten Leben auf der Yes!Con 2021 in Berlin. Ich hatte mich so wahnsinnig darauf gefreut, sie endlich persönlich kennenzulernen.



Im Hotel beim Frühstück waren wir genauso wie ich es gerade für die Klassenfahrt beschrieben habe. Eine fröhliche Zumutung für die anderen 😊. Gesucht und gefunden eben. Eine der Geschichten, die wir uns immer wieder gerne erzählen, ist die, als wir uns beide jeweils nach der anderen laut fragend und suchend umgeschaut haben, ohne zu merken, dass wir direkt nebeneinanderstehen. Als wir es schließlich realisierten, bekamen wir einen heftigen Lachanfall, der wiederum bei unserem Grüppchen – natürlich – auf Stirnrunzeln und Unverständnis stieß. Nun, meine Mutter würde jetzt nüchtern sagen: “Man muss wohl dabei gewesen sein.” Ja, stimmt, waren wir ja auch. 

Vor dem Mikro waren wir auch



Da ich es ja auch sehr liebe mit anderen ins Gespräch zu gehen, habe ich SU (und Christian Nübling und Alex, den Cancer Jedi) für eine Folge zum Thema Freundschaft in meinen Podcast “Nellas Neuaufnahme – Warum sich Patienten und Ärzte besser verstehen sollten.”  eingeladen.  Dort lade ich mir Expertinnen und Experten aus den verschiedensten Bereichen zum Talk mit mir ein. Wir sprechen über all die Dinge, die mir nach meiner Diagnose begegnet sind, die mich und meine Zuhörerschaft beschäftigen. Denn eigentlich war mein großer Traum, zum Radio zu gehen oder Talkshows im TV zu moderieren. Jetzt habe ich mir meinen eigenen Sender gebaut und bestimme das Programm. Besser kann´s kaum sein. Und was ich da alles lernen darf. Wundervoll.


Es ist einfach so schön, Menschen zu finden, die ähnlich ticken, besonders dann, wenn eine Krebsdiagnose ins Leben funkt. Du kennst das sicher auch: Außenstehende, auch wenn sie noch so lieb sind und wir sie sehr mögen, können nicht immer verstehen, was uns gedanklich umtreibt, welche Ängste wir haben. Woher auch. Meine Großmutter sagte einmal zu mir, als ich zu ihr meinte, ich könne mir vorstellen, wie schlimm das Hungern im Krieg gewesen sein muss: “Kind, Du kannst Dir noch so viel Mühe geben, aber Du wirst es nie so empfinden, wie ich es damals erlebt habe.” Besser kann ich es nicht auf den Punkt bringen.


Familienbande im weißen Kittel



Da wir gerade bei meiner Familie angekommen sind, möchte ich dir noch erzählen, dass ich aus einer sehr wilden und fröhlichen Familie komme. Bei uns wurde reichlich gefeiert, noch mehr gelacht und viel diskutiert. Es war immer Stimmung im Haus und auf den Festen. Meine Freundinnen und Freunde gingen munter bei uns ein und aus.

Was mich aber oft nervte, waren die Themen am Mittagstisch und auf den Feiern. Es ging häufig um Medizinisches. Fast alle aus meiner Familie waren oder sind Ärztinnen, Ärzte oder Krankenschwestern oder haben irgendwie mit dem Management im Krankenhaus zu tun. Spätestens bei der Nachspeise verging mir häufig der Appetit. Wie oft hätte ich mir “normale” Unterhaltungen gewünscht. Keine plastischen Schilderungen von OPs oder Röntgenbilderbefunden oder noch schlimmer detailgetreue Beschreibungen von Wunden. Dass das einmal auf einer anderen Ebene sehr nützlich für mich sein würde, wusste ich damals noch nicht.



Fakultäten und Temperamente



Als ich erkrankte, kam mir eine Sache nämlich sehr zugute, ich verstehe “Ärztisch”. Das Fachchinesisch und der Ton unter der Ärzteschaft machen mir können mich nicht beeindrucken. Bei einer Visite fiel einmal das Wort “oralisieren”. Da ging es mit mir durch: “Sagen Sie doch einfach, dass wir jetzt auf Tabletten umstellen.” Der Oberarzt kniff ein Auge zu und meinte lächelnd: “Erwischt.” Außerdem wusste ich, dass in jeder Fachrichtung (Orthopädie, Chirurgie, Pädiatrie, Allgemeinmedizin usw.) und jedem Arbeitsumfeld (Klinik, Uni-Klinik oder Praxis) andere Temperamente bevorzugt vertreten sind. Ein/e Orthopäde/in ist niemals so sensibel wie beispielsweise ein/e Hautarzt:in. Und Klinikarzt:innen gehen immer vom Schlimmsten aus, weil bei ihnen auch die schwereren Fälle landen, während Praxisärzt:innen oft gelassener sind.

No bashing, please!



Lustig war auch, dass ich nach dem Veröffentlichen meines Ratgebers “Warum sagt mir das denn niemand? Was Du nach einer Krebsdiagnose alles wissen musst.” oft von beiden Seiten gehört habe, damit meine ich sowohl von Patient:innen als auch von Ärzt:innen: “Nella, weißt Du was ich gut finde, Du machst kein “Ärztebashing”.” Warum auch? Oder besser gefragt: Was bringt mir das? Für mich gilt: Ich möchte mit der Ärztin, dem Arzt zusammenarbeiten, für mich, für meine Gesundheit und das hat bisher ganz gut geklappt.

Unser letztes gemeinsames Treffen war im Januar 2024 in Berlin. Wie immer war es viel zu wenig Zeit die wir miteinander hatten, aber die Zeit war voller Emotionen, Lachen und Freude. Freude, gemeinsam am Leben zu sein.

Finde mehr über Nella’s Ratgeber unter diesem Link

https://www.zellenkarussell.de/du-brauchst-ratgeber-und-workbook/


Weitere Veröffentlichungen findest du hier über mich:

Presse


Weitere Blogbeiträge


Eine Antwort auf „“

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..